Flüchtlinge an der Tür

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Mrz 172015
 

Kolpingfamilie informiert sich über die Asylsituation

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Nadine Röckl-Wolfrum ist in der Asylberatungsstelle der Diakonie in der Kasernenstraße eingesetzt. Kaum jemand kann besser über die aktuelle Asylsituation in Weiden berichten als die Diplom-Sozialpädagogin (FH). Zu ihrem Vortrag bei der Kolpingfamilie Neunkirchen hatte sie einen Gast mitgebracht: Naima, eine junge Frau, die seit vier Jahren in Deutschland lebt. Sie ist verheiratet und hat inzwischen vier Kinder.

Die Familie lebte lange Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kasernenstraße auf einer Fläche von nur 26 Quadratmetern. Auf Initiative von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß konnte der Familie nun vor kurzem eine eigene Wohnung zur Verfügung gestellt werden.

Nadine Röckl-Wolfrum erläuterte den Mitgliedern die Gründe, warum diese Menschen ihre Heimat verlassen und eine oft mehrere Jahre andauernde Flucht mit oftmals ungewissem Ausgang auf sich nehmen. In Deutschland haben im Jahre 2013 so viele Menschen Asyl beantragt, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Rund 100 000 Flüchtlinge kamen mit der Hoffnung auf eine sichere Zukunft ins Land. Doch nur eine Minderheit darf bleiben – nachdem die Asylbewerber das sehr komplizierte Asylverfahren durchlaufen haben.

In Bayern werden die Flüchtlinge in der Regel Gemeinschaftsunterkünften zugewiesen, so auch in Weiden in der Kasernenstraße. Dort sind sowohl Flüchtlinge untergebracht, deren Asylantrag noch läuft oder deren Antrag bereits abgelehnt wurde. Auch unbegleitete minderjährige Kinder wohnen dort. In der Kasernenstraße sind derzeit 130 Personen untergebracht, darunter vier Familien mit Kindern und Jugendlichen.

Die Kinder gehen in Kindergärten und Schulen. Es gibt drei Flüchtlingsklassen, in denen die Kinder gezielt in Deutsch unterrichtet werden. Eine Berufsschulklasse bildet Asylbewerber auch aus, damit diese eine Arbeit finden.

„Wie können wir als Kolpingfamilie helfen“, so die Frage des Vorsitzenden Roland Hoffmann. Röckl-Wolfrum sagte, eine Unterstützung sei schon in alltäglichen Hilfen möglich, wie zum Beispiel bei der Begleitung des Asylbewerbers bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Hilfen bieten auch die vor kurzem ins Leben gerufenen Arbeitsgruppen, die vom AK Asyl begleitet werden.

Vorsitzender Roland Hoffmann appellierte an die Mitglieder, auf Flüchtlinge zuzugehen und ihnen Mithilfe und Unterstützung anzubieten. Er überreichte Röckl-Wolfrum eine Geldspende in Höhe von 300 Euro. Das Geld findet Verwendung für gemeinsame Aktionen mit den Flüchtlingen.

Wer seine Hilfe anbieten möchte, kann sich auch gerne mit Röckl-Wolfrum von der Asylberatungsstelle in der Gemeinschaftsunterkunft Weiden, Kasernenstraße, in Verbindung setzen.

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Fördern, fordern, nicht bemuttern

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Mrz 042015
 

migration4-3-15Fuchsmühl. (hd) Sie geht auf die Menschen liebevoll zu, ermuntert, hilft. Doch sie bemuttert nicht. Karin Lukes fördert, fordert aber auch. Als Migrationsberaterin betreut sie die syrischen Flüchtlinge, die seit rund einem halben Jahr in Fuchsmühl leben.

Die in der Steinwaldgemeinde untergebrachten Kriegsflüchtlinge sind freilich nur ein Teil der Menschen, um die sie sich mit Hingabe kümmert. Karin Lukes ist für die gesamte nördliche Oberpfalz zuständig. Und so sind es aktuell rund 700 Frauen, Männer und Kinder, mit denen sie in regelmäßigem Kontakt steht.

Karin Lukes arbeitet seit 22 Jahren als Migrationsberaterin der Diakonie Weiden. Sie knüpft Kontakte und sagt: „Ich kann Hilfe leisten.“ Voraussetzung sei, „dass die Menschen ein Bleiberecht in Deutschland haben“, erläutert Lukes. Sie setzt sich ein, dass ihr anvertraute Migranten das ihnen zustehende Geld bekommen. Auch kümmert sie sich, dass es bei den Kindern mit Schul- oder Kindergartenbesuch klappt.

Häufig traumatisiert

Spontan fällt der 60-Jährigen keine Nationalität ein, mit der sie nicht schon zu tun hatte. Auch Polen, Tschechen, Russen holen sich bei ihr Rat. Kriegsflüchtlinge, beispielsweise aus Syrien, seien häufig traumatisiert. Karin Lukes stellt die Kontakte zu den Ärzten her. Gespräche mit Banken, Versicherungen und Krankenkassen, aber auch Familienzusammenführung und Sprachkursvermittlung gehören praktisch zum Tagesgeschäft. „Das gibt es oft komplexe Sachverhalte, die bei anfangs geringen Deutschkenntnissen von den Migranten kaum zu verstehen sind.“ Bei all diesen Aufgaben ist eines Voraussetzung: „Ich brauche das Vertrauen der Menschen.“

Sie arbeitet mit der Methode Casemanagement, gibt als Fall-Manager viel und freut sich, wenn etwas davon zurückkommt, „wenn man merkt, dass die Integration Fortschritte macht“. Oft seien es die kleinen Erfolge, die beflügeln. Dabei hilft sie individuell, macht auf den jeweiligen Menschen zugeschnittene Angebote. Besonders wichtig sind dabei Sprachkurse. Und je weiter es hier vorangeht, umso mehr verlangt Karin Lukes auch von ihren „Schützlingen“. Immer mehr müssen sie auf sich gestellt erledigen. „Ziel ist ja, dass alle alleine ihr Leben organisieren und in Deutschland zurechtkommen.“ Und dazu gehöre auch, vor allem die jungen Menschen an die Arbeitswelt heranzuführen. Die syrischen Flüchtlinge in Fuchsmühl seien auf einem guten Weg. Im Juni ende der Sprachkurs der Volkshochschule, was dann auch einen Wechsel in der Unterkunft zur Folge haben könnte. Einige Familien wüssten schon jetzt, dass sie wegziehen, nach München und Regensburg, Nürnberg oder Weiden. Auch hier hilft Karin Lukes, nutzt bei der Wohnungssuche das Netzwerk der Diakonie.

Regelmäßig Sprechstunden

Die 60-Jährige ist jeden Dienstag und bei Bedarf auch am Donnerstag in einem Büro im Fuchsmühler Rathaus anzutreffen, das ihr Bürgermeister Wolfgang Braun zur Verfügung gestellt hat. „Das ist ein Mann, der kümmert sich.“ Er habe viel organisiert, auch den VHS-Sprachkurs, den Angelika Kennedy leite. „Der läuft super.“ Karin Lukes dankt aber nicht nur dem Fuchsmühler Bürgermeister („ein toleranter Mensch“) und den Mitarbeitern im Rathaus. Viele Ehrenamtliche aus Fuchsmühl und Umgebung hätten Zeit geopfert und die Kriegsflüchtlinge beispielsweise zum Einkaufen gefahren. Angelika Würner von der Arbeiterwohlfahrt habe Krankentransportfahrten organisiert. Karin Lukes lobt: “ Ich habe die Fuchsmühler als sehr offenen Menschenschlag kennengelernt.“

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