Für viele Frauen, die zuhause unter Gewalt leiden, ist das Frauenhaus die letzte Lösung. Bewohnerinnen, Mitarbeiterinnen und Ehrenamtliche erzählen von Angst, Wut, Schlägen und Beleidigungen – aber auch vom Beginn eines Lebens ohne Gewalt.

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Aug 222020
 
Grafik: Maria Oberleitner/Christian Gold

„Auf einmal standen Morddrohungen im Raum, es war wie im Actionfilm.“

Monatelang, jahrelang wurde Anna von ihrem Freund bedroht, beleidigt, geschlagen. Ihre Rettung fand sie im Weidener Frauenhaus. Annas Geschichte ist kein Einzelfall. Sie erinnert sich.

Von Maria Oberleitner

Weiden. Die gepackte Reisetasche stand einen Monat lang im Schrank von Annas Freundin. Darin die nötigsten Klamotten für sich und die Kinder, wichtige Papiere und Unterlagen – und ihr Schmuck. „Eigenes Geld hatte ich ja keines“, gesteht Anna. Sie griff sich im gemeinsamen Haus noch die Schulranzen der Kinder – und ging. Anna hat ein neues Leben angefangen – in Weiden.

Was sich liest wie der Bericht einer Auswanderin, ist eine Geschichte häuslicher Gewalt. Anna, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat acht Monate lang mit ihren drei Kindern im Weidener Frauenhaus gelebt. Inzwischen hat sie eine eigene Wohnung – ein eigenes Leben. Die junge Frau erzählt von stressigen Arbeitstagen im gemeinsamen
Familienbetrieb und vom Frust, den ihr Partner schließlich an ihr ausgelas-sen hat. Schläge, Beleidigungen, Affären. Sie hatte große Angst. „Auf einmal standen Morddrohungen im Raum, es war wie im Actionfilm. Rückblickend kann ich sagen, dass das alles wie eine Luftblase war. Es war nichts dahin-ter.“ Ein wenig verlegen schiebt sie sich eine Haarsträhne aus der Stirn. Inzwischen hat Anna wieder Kontakt zu ihrem damaligen Partner. „Damals
war ich abhängig von ihm. Er hatte das Geld, er hatte das Auto, er hatte die Macht. Wenn wir uns heute treffen und mir etwas nicht passt, steige ich in mein eigenes Auto und fahre.“ Sie wirkt selbstbewusst und souverän.

Wie im Paradies
Der Tag, an dem sie sich entschied, ins Frauenhaus zu gehen, habe ganz
gut angefangen, sagt Anna. Aber dann kam es zu einem großen Streit, der Mann wurde handgreiflich. Sie war vorbereitet, hatte die Entscheidung, einen endgültigen Schnitt zu machen monatelang mit sich herumgetragen. Sie hatte auf den einen Moment gewartet – nun war er gekommen. Zeit, die gebunkerte Reisetasche abzuholen. In dem Frauenhaus in ihrer Heimat-stadt aber fühlte sie sich „wie im Gefängnis“– wegen der räumlichen Nähe zum Täter. „Schon am dritten Tag wusste ich, ich kann hier nicht bleiben.“ Also kam sie nach Weiden. „Ich hatte sämtliche Handykarten zerschnitten, alle Social-Media-Kanäle blockiert. Nur für meine Eltern war ich noch erreichbar.“ Ein großer Schnitt, ein schwieriger Schritt. „Und dann war ich in Weiden: Mir erschien das Frauenhaus wie ein Paradies. Auch, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht die Einzige bin, der so etwas passiert ist.“ Das Paradies: Drei Stockwerke mit Zimmern, Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftstoiletten. Platz für sieben Frauen mit ihren Kindern. Jede Frau kann so lange bleiben, wie sie braucht. Um eine Wohnung, einen Job, Kindergarten oder Hortplätze zu bekommen. Jede ist hier für ihren eigenen kleinen Haushalt zuständig. Stockbetten, Schrank, Tisch. Wohnen wie im Schullandheim. In den Regalen stehen Ordner neben Gesellschaftsspielen und Kuscheltieren. Alles wirkt fröhlich und bunt. Die Wände, die Bettwä-sche, die Bilder. Hier ist ein Vögelchen an die Wand gezeichnet, dort ein Kätzchen. Auf dem Balkontisch liegt das „Dschungelbuch“ und die „Geschichte von der Ponyfee“. Daneben stehen etliche Wäscheständer. Am
Fensterbrett liegen bemalte Steine, blickt man nach unten, sieht man im Garten Rutsche und Schaukel. Das Gartentor ist geschlossen. Ohne einen Schlüssel kommt niemand hier weder rein noch raus. Auch die Mauer ist hoch, die Fenster im ersten Stock mit Milchglasfolie verklebt. Das bietet ein Stück Anonymität und Sicherheit. Denn deshalb sind die Frauen hier: Sie suchen Schutz. Einfach, unkompliziert, anonym.

Neues Zuhause: Weiden
Das Weidener Frauenhaus ist zuständig für die Kreise Tirschenreuth und Neustadt sowie die Stadt Weiden. Die sieben Plätze, die es gibt, errechnen sich aus der Bevölkerungszahl. Trotzdem suchen nicht nur Oberpfälzerin-nen hier Schutz, meist sind Frauen aus ganz Deutschland da. Zum Beispiel Dalal. Die 39-Jährige kam mit ihren vier Kindern aus einer sächsischen Stadt nach Weiden. Sie floh regelrecht – vor ihrem Ex-Mann. Der hatte sie und ihre älteste Tochter geschlagen, angeschrien, gedemütigt, bedroht – immer und immer wieder. Und die Nachbarin rief immer wieder die
Polizei. Die Beamten nahmen Dalals damaligen Lebensgefährten beim x-ten Mal mit auf die Wache – und sie ging. Erst in ein Frauenhaus in ihrer Stadt. Weil sie dort aber vor ihm nicht sicher war, kam sie nach Weiden. „Es ist gar nicht so selten, dass Frauen dann in Weiden bleiben und die Stadt ihr neues Zuhause wird“, sagt Frauenhaus-Leiterin Enikö Nagy. Oder „Frau Enikö“, wie Dalal sie nennt. Die 39-jährige Dalal erzählt, ihre Kinder haben
nun neue Freunde in Weiden gefunden. Wenn sie von ihrem neuen Leben spricht, strahlt sie. Sie ist erleichtert – und dankbar. Dankbar, jetzt endlich sicher zu sein. Dankbar, unterstützt zu werden. Bei Behördengängen, bei Wohnungsbesichtigungen. „Es ist toll hier“, sagt sie. Sie wohnt mit ihren vier Kindern in einem 20-Quadratmeter- Zimmer. Luxus sieht anders aus.
Aber es geht nicht um Luxus. Es geht um Leben, um Sicherheit, um Freiheit, um Selbstbestimmtheit.

„Wer zu uns kommt, hat den schwersten Schritt schon hinter sich“, sagt Tina Braun. Die Kinder und Jugendbeauftragte arbeitet schon so lange für das Frauenhaus, dass sie es noch als Baustelle kennt. Vor 25 Jahren kümmerte sie sich auch um die Erstausstattung. „Irgendwie ist es auch mein Haus“, sagt die 57-Jährige. Sie spricht von der großen Scham, die viele Frauen erst überwinden müssen, bevor sie den Mut haben, sich in ein Frauenhaus zu flüchten. „Es ist ein Phänomen, dass sich die Opfer häuslicher Gewalt schuldig fühlen, als hätten sie persönlich versagt.“ Aber der Einzug sei für viele auch ein sozialer Abstieg in Gedanken, ergänzt
Nagy: Zuhause verloren, Ehe zerbrochen, Hartz-IV-Antrag. Sieben Jahre
halte es eine Frau im Schnitt in einer gewälttätigen Beziehung aus. „Ins Frauenhaus geht man ja wirklich nur, wenn man keine andere Lösung mehr sieht.“

Gewalt ist nicht gleich Gewalt
Dabei ist jede vierte Frau zwischen 16 und 82 in Deutschland mindestens
einmal in ihrem Leben von häuslicher Gewalt betroffen. Gewalt, die im Geheimen geschieht. Gewalt, die von der Gesellschaft gedeckt wird. Männer und Frauen jeden Alters und jeder sozialen Schicht sind davon betroffen. Und Gewalt ist nicht gleich Gewalt. „Eigentlich ist er doch ein guter Mann,
er schlägt mich ja gar nicht.“ Diesen Satz hören Enikö Nagy und ihre drei Kolleginnen öfter, als ihnen lieb ist. Häusliche Gewalt, erklärt Nagy, ist nicht nur physische Gewalt – auch vor sozialer, wirtschaftlicher oder psychischer Gewalt suchen Frauen Schutz. „Manchmal erzählen uns Betroffene ihre Geschichte und sind sich überhaupt nicht sicher, ob sie bei uns richtig sind.“ Man hört Nagy an, dass sie es eigentlich selbst kaum glauben kann. Anna hat die psychische Gewalt schlimmer verletzt als die Schläge. Sie erinnert sich: „Hier und da ein blauer Fleck, der geht ja wieder weg. Aber die ständigen Beleidigungen … irgendwann habe ich mich schon gefragt, ob es vielleicht stimmt, was er sagt.“ Auch deshalb, fordert Nagy, bräuchten die Frauenhäuser mehr Geld für psychologische Betreuung der Opfer. Die Täter
seien oft besser betreut als die Opfer. „Da muss man sich nur die Program-me der JVA ansehen.“ Gesprächskreise, Anti-Aggressions-Trainings, Selbst-reflektionsübungen. Für die Gewaltopfer ist nichts davon vorgesehen.

Politik statt Mitleid
Für das Frauenhaus fordert Nagy auch einen „vernünftigen Personal-schlüssel“. Konkret: Eine Vollzeit- Stelle mehr für Weiden. Ihre Vision:
Vernetzte, familienorientierte Zusammenarbeit zwischen Frauenhaus,
Täterberatung und Familienrichtern nach dem Vorbild des Münchener Modells. Denn gerade sei der Gesamtzustand unhaltbar. „Die Frauen, die zu uns kommen, sind keine Einzelfälle. Und wenn man einen Blick auf die Kosten häuslicher Gewalt wirft, ein zweifelhafter Luxus, den sich die Gesellschaft leistet.“ Gerade flächendeckende Prävention sei wichtig – auf
allen sozialen Ebenen. Denn: „Ein Aufenthalt im Frauenhaus schützt nicht vor Gewalt“, sagt Tina Braun. „Zu uns kommt teilweise schon die zweite Generation. Die Töchter ehemaliger Bewohnerinnen als Opfer, ihre Söhne als Täter.“

Manche Geschichten ließen sie nicht los, sagt Braun. „Ich habe schon ein dickes Fell – aber einiges geht wirklich unter die Haut. “Wenn sie und ihre Kolleginnen über ihre Arbeit reden, fragt man sich schnell, wieso sie nicht längst vor Wut rasen. Sie heilen Wunden, die erst gar nicht entstehen müssten. Wenn sich die politischen Rahmenbedingungen ändern würden. „Wir leben in einer Männerwelt, bei der wir nur mitmachen dürfen.“ Da müsse man sich nicht wundern, so Nagy, dass man nicht nur eine Schraube nachstellen müsse, um die Situation nachhaltig zu verändern

„Frauenhäuser gibt es nun seit gut 30 Jahren“, sagt Nagy. „Aber auch die Männerwelt muss sich mit entwickeln. Frauen brauchen kein Mitleid, sondern Mitgefühl und gesellschaftliche wie politische Veränderung.“
Deshalb sieht sie Täterarbeit und Prävention als Notwendigkeit. Geld für mehr Personal ist aber Mangelware. Deutschlandweit fehlen mehr als 14 600 Schutzplätze für Frauen. „In diesem Jahr mussten wir in Weiden bisher 26 Frauen absagen oder sie an andere Häuser weitervermitteln, weil wir einfach keinen Platz hatten. Und gerade in der vergangenen Woche haben in unserem Haus 16 Kinder gewohnt – das ist mehr als so manche Kinder-gartengruppe – und das ja nur zusätzlich zu den Frauen.“ Tatsächlich wenden sich eher Frauen mittleren Alters mit Kindern an die Sozialpäda-goginnen. Das könnte daran liegen, dass junge Frauen ohne Kinder eher Zuflucht bei einer Freundin finden können. Enikö Nagy mutmaßt aber
auch: „Der Ruf von Frauenhäusern auf dem Land ist möglicherweise eher altbacken. Eine hippe Beratungsstelle in Berlin zieht wohl mehr junge Frauen an.“ Braun spricht auch von einem Stadt-Land- Unterschied: „Grundsätzlich kommen mehr Frauen aus Städten zu uns.“ Das liege auch am sozialen Druck auf dem Land. Verschwinde hier eine Frau mit ihren Kindern über Nacht, falle das eher auf als in einer anonymen Miets-wohnung in der Stadt.

Corona: Keine Zeit, um zu gehen
Mit Corona-Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen habe sich
zwar die Zahl der Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt in China
und Frankreich verdreifacht – doch der erwartete Ansturm auf das
Frauenhaus in Weiden blieb aus, so Nagy. „Die Zeit der Ausgangsbe-schränkungen war keine Zeit, in der man seinen Partner verlassen hat. Viele Frauen wussten auch gar nicht, dass die Beratungsstellen noch geöffnet sind.“ Es habe sogar zwei, drei Fälle gegeben, in denen das Virus eine Aufnahme ins Haus verhindert habe.„Weil sie das Risiko einer Quarantäne im Haus als zu hoch empfand, hat sich eine Frau gegen eine Aufnahme entschieden und kamprivat unter“, erinnert sich Nagy. Sie hätte dann keinen persönlichen Kontakt zu ihren Söhnen haben können, die nicht mit ihr eingezogen wären. Was sie dafür in Kauf nahm: Zerstochene Fahrradreifen, ein verklebter Postkasten und diverse Beschimpfungen. „Frauen lassen eine Menge mit sich machen, wenn sie glauben, dass sie
damit die Familie schützen“, erklärt Braun. Und Kollegin Nagy ergänzt:
„Jede Krise belastet Frauen unverhältnismäßig mehr als Männer.“

15 Ehrenamtliche sorgen dafür, dass das Frauenhaus rund um die Uhr erreichbar ist. Sie übernehmen Telefondienste, helfen bei Hausaufgaben
oder Umzug, begleiten bei Wohnungsbesichtigungen, vermitteln Spenden.
„Ihr Mann wollte sie umbringen“ Elisa Wiesnet ist mit ihren 24 Jahren eine der jüngsten ehrenamtlichen Frauenhaus-Helferinnen, seit Februar über-nimmt sie Dienste. Ihr tut die Arbeit gut, sagt sie. „Das holt mich immer wieder auf den Boden zurück. Außerdem sollten Frauen zusammenhalten. Jeder in einer solchen Notsituation wäre froh, wenn jemand ans Telefon geht und hilft.“ Vor ein paar Nächten organisierte sie die Aufnahme einer Frau mit fünf Kindern. „Ihr Mann wollte sie umbringen. Das nimmt einen
schon mit.“ Manchmal träumt sie nachts von den Dingen, die Frauen ihr erzählt haben. „Und oft denke ich mir: Ich komme schon schwer damit klar, dass diese Frauen solche Dinge erleben müssen. Wie wird es dann den Frauen selbst erst gehen…“ Auch Waltraud Koller-Girke ist manchmal wütend. Für die Ehrenamtliche ist die Wut aber auch ein Antrieb, immer weiter zu machen. Die 72-Jährige hilft schon so lange mit, dass sie die jetzige Frauenhaus-Leiterin noch als Praktikantin erlebt hat. Sie erzählt von Piepsern, die sie vor Beginn des Handy-Zeitalters zu Beginn einer Rufdienst-
Schicht aus dem Büro holen muss. Heute wird einfach das Telefon auf das eigene Handy umgestellt. Sie erinnert sich an ihren ersten Einsatz vor 24 Jahren: „Ich war sehr aufgeregt, ob jemand anrufen würde.“ Schließlich habe keine Frau angerufen, sondern das Frauenhaus Nürnberg, die eine Unterkunft für eine Frau mit drei Kindern gesucht hatte. „Ich habe die vier dann mit dem Kleinbus abgeholt. Die Frau hatte sehr viel Angst vor ihrem gewalttätigen Mann und davor, dass er sie entdeckt. Als sie bei uns im Zimmer auf dem Bett saß, spürte ich, wie sie aufgeatmet hat. Sie war einfach nur erleichtert.“ Anna kann sich auch an diesen einen Moment erinnern, in der ihr die Last wie Steine von den Schultern fiel. Das Gefühl von Ruhe, Stille und Sicherheit hat sich ihr eingeprägt. Sie war angekom-men. Endlich wieder Luft zum Atmen. Nun konnte ihr neues Leben beginnen.

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70 Jahre Müttergenesungswerk: Beratungsstellen für überlastete Eltern in Weiden

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Mai 042020
 

Finanzieller Druck, schwieriges Zeitmanagement, Patchwork-Familien, Trennungen, Doppel- oder Dreifachbelastung durch Beruf, Erziehung und Pflege, Zwillings- und Mehrlingsgeburten, Entwicklungsstörungen beim Kind, Erkrankung oder Behinderung, Sorgerechtsstreitigkeiten und viele weitere Faktoren können Mütter und Väter an ihre Leistungsgrenzen bringen. Wer über eine Kur des Müttergenesungswerks (MGW) nachdenkt, die sich speziell an Elternteile richtet und bei der die Kinder dabei sein können, kann sich bei der Diakonie Weiden und dem Caritasverband für Weiden und den Landkreis Neustadt beraten lassen. Dagmar Deutschländer (Diakonie) und Elisabeth Hirn (Caritas) helfen bei der ersten Einschätzung, ob eine Maßnahme des MGW angebracht ist, beim Ausfüllen des Antrags und geben bürokratische Unterstützung im Falle einer Ablehnung.

Besonders Mütter angesprochen

Beide Beraterinnen weisen auf die rechtliche Verankerung der Kuren hin. Sie gehören zu den Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Belastete Mütter und Väter haben also ein Recht auf Vorsorgemaßnahmen mit oder ohne Kinder in den 74 MGW-Kliniken. „Es gilt nicht: ambulant vor stationär. Es ist nicht nötig, erst alle ambulanten Maßnahmen auszuschöpfen. Eine ganzheitliche, interdisziplinäre Kur kann man nicht ersetzen durch ambulante Maßnahmen“, erklärt Dagmar Deutschländer. Voraussetzung für die Genehmigung einer Kur ist allerdings eine durch einen Arzt attestierte medizinische Indikation.

Diese sei vor allem bei Frauen häufig gegeben. Überlastete Mütter sollten sich laut Dagmar Deutschländer häufiger bewusst machen: „Ich habe auch mal ein Recht auf drei Wochen ohne Kids.“ Die Hilfestellung sei da. Es gehe darum, sich zu trauen, das Angebot anzunehmen. „Die Frauen sind heute älter als früher, wenn sie Kinder kriegen. Dadurch haben sie häufig gleichzeitig pflegebedürftige Eltern und dadurch eine Doppelbelastung“, weiß sie aus zahlreichen Gesprächen.

„Es ist oft der Wahnsinn. Die Frauen haben keine Kapazitäten, durchzuschnaufen. Der Tag beginnt um 5.30 Uhr und endet um 22.30 Uhr mit dem Zusammenlegen der Bügelwäsche.“ Die Erschöpfung zeige sich erst nach einer langen Belastungsphase, ergänzt ihre Kollegin von der Caritas. „Den Kindern geht es nur so gut, wie es der Familie und besonders der Mutter geht.“ Außerdem gehen Frauen laut Dagmar Deutschländer zu selten wegen sich selbst zum Arzt, nach dem Motto: „Die Bandscheibe hat ja schon immer wehgetan.“

Recht auf Widerspruch

Die beiden Frauen wissen aus Erfahrung, dass die Krankenkassen die beantragten Kuren relativ oft ablehnen. „Das ist oft wie eine Ohrfeige für die Frauen“, sagt Elisabeth Hirn. „Die Krankenkassen sollten der ärztlichen Verordnung einer Kur auch Rechnung tragen.“ Es sei meist ein langer Weg, sich die Erschöpfung einzugestehen, ergänzt Dagmar Deutschländer. Eine Ablehnung wirke, „als wäre man zu hysterisch“. Auf den Widerspruch haben Antragsteller ein Recht. Hirn und Deutschländer unterstützen dabei.

Im Vergleich zu anderen Kuren sehen die Beraterinnen bei den Maßnahmen des Müttergenesungswerks einige Vorteile. „Es gibt einen großen Zusammenhalt bei den Frauen in den MGW-Kurhäusern, weil sie über die ganze Aufenthaltsdauer zusammen sind“, erklärt Dagmar Deutschländer als Beispiel. Denn die dreiwöchigen Kuren starten zu festgelegten Terminen.

Der intensive Austausch untereinander führe zu mehr Wissen bei den Müttern über Hilfsangebote nach der Kur. „Die Mütter kommen gestärkt und mit guten Vorsätzen wieder“, meint sie. „Viele Frauen lernen durch die Kur, besser auf sich zu achten.“ Außerdem könne eine Kur die Mutter-Kind-Beziehung stabilisieren. Und wenn eine Mutter alleine zur Kur geht, könnt dies das Familiensystem positiv verändern, „weil man zu Hause merkt, wie es ohne die Mutter läuft“.

Ergebnisoffene Beratung

Die Empfehlungen der beiden Fachfrauen sind nicht an das Müttergenesungswerk gebunden. „Wir erklären, was eine mögliche Kur ist und was nicht“, so Deutschländer. In einigen Fällen raten die Fachfrauen von einer Kur ab oder empfehlen andere Maßnahmen. „Man muss als Voraussetzung kurbedürftig und kurfähig sein.“

INFO:

Beratung während der Coronakrise

Die Coronakrise wirkt sich auf die Arbeit von Caritas und Diakonie aus. Die Beraterinnen helfen telefonisch. Trotzdem: „Momentan ist die Kurenvermittlung schwierig“, sagt Dagmar Deutschländer. Das liege vor allem an den Kurhäusern, die entweder Vorhaltestationen für Coronapatienten oder ganz geschlossen seien.

Auch bereits geplante Kuren können derzeit nicht angetreten werden. „Alles wird verschoben“, betont Deutschländer. Ärgerlich: Viele sogenannte Schwerpunktkuren finden nur einmal im Jahr statt. „Die Frauen müssen wieder warten.“ Krankenkassen genehmigten derzeit eine Verschiebung der Kur ohne neues Attest oder Antrag. „Das läuft wirklich unkompliziert“, sagt die Fachfrau.

Deutschländer erwartet in Folge der Corona-Pandemie einen „Kuren-Boom“. Homeoffice, Unterricht daheim, Sorgen um die Eltern: „Das zehrt an den Familien. Und sind wir uns mal ehrlich: Das bleibt meistens an den Frauen hängen.“ (tsa)

MÜTTERGENESUNGSWERK UND KONTAKT VOR ORT:

Bei der Gründung des Müttergenesungswerks (MGW) 1950 standen die Belastungen durch Kriegsfolgen im Fokus. Gründerin Elly Heuss-Knapp erreichte die gesetzliche Verankerung der Mütterkuren. Später kamen Angebote für Mütter mit Kindern hinzu. Heute gibt es außerdem Kuren für Väter, Väter und Kinder sowie pflegende Angehörige. In Deutschland gibt es 74 Kliniken unter dem Dach des MGW.

Über 1000 Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände unterstützen Interessierte in Vorgesprächen, bei Widersprüchen und in der Nachsorge.

Ansprechpartnerinnen in Weiden:

  • Caritasverband Weiden und Landkreis Neustadt/WN: Elisabeth Hirn, Telefon: 0961/3891-40, E-Mail: e.hirn@caritas-weiden.de. Die Geschäftsstelle zieht Anfang März von der Nikolaistraße 6 in die Bismarckstraße 21 um. Während des Umzugs kann es Probleme bei der Erreichbarkeit geben.
  • Diakonie Weiden: Dagmar Deutschländer, Sebastianstraße 18, Telefon: 0961/38931-16 (Anrufbeantworter nutzen), E-Mail: dagmar.deutschlaender@diakonie-weiden.de.
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Frauenhaus: Schutz in der Krise

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Apr 132020
 

In Zeiten von Corona erhält das Thema Partnerschaftsgewalt in den Medien neue Beachtung. Doch Häusliche Gewalt gehört schon seit langem zum Alltag in Deutschland. Und auch in der Oberpfalz.

Wie bei allen Frauenhäusern ist auch der Standort des Frauenhauses in Weiden streng vertraulich. „Das gibt ein Stück Sicherheit für die Frauen, die bei uns Zuflucht finden“, sagt Enikö Nagy, 41, Sozialpädagogin und seit 2019 Leiterin des Frauenhauses in der Max-Reger-Stadt. Und eben diese Sicherheit ist von hoher Wichtigkeit.

Sieben Frauen und bis zu zehn Kinder können im Weidener Frauenhaus aufgenommen werden. In der Gemeinschaftswohneinrichtung hat jede Frau zusammen mit ihren Kindern ein eigenes Zimmer. Pro Etage gibt es zur gemeinsamen Nutzung eine Küche und ein Bad. Den Alltag organisiert jede Frau selbst. „Die Frauen, die zu uns kommen, suchen Schutz und Hilfe“, sagt Enikö Nagy. Sie sind Opfer von häuslicher Gewalt.

Experten befürchten, dass die Coronakrise eine starke Zunahme der Gewalt in Beziehungen auslöst. Auch Kinderschutzbund und Frauennotruf schlagen Alarm. Dass die Befürchtung nicht unbegründet ist, wird am Beispiel China deutlich: Während der Krise verdreifachten sich die Fälle häuslicher Gewalt. In Frankreich verzeichnete die Polizei innerhalb acht Tagen Ausgangssperre einen Anstieg von 32 Prozent bei ihren Einsätzen im Bereich häuslicher Gewalt. Auch in Weiden stellt man sich auf eine deutliche Zunahme ein. Bei nur sieben Plätzen für Frauen ist die Kapazität allerdings schnell erschöpft. Es gibt 350 Frauenhäuser in Deutschland, doch unabhängig von der derzeitigen Situation fehlen hier 14 600 Schutzplätze. In Weiden denkt man über Ausweichkapazitäten nach. „Falls unser Haus komplett besetzt ist, weisen wir die Frauen keinesfalls ab, sondern vermitteln sie – so schnell es geht – in eine andere Einrichtung“, sagt Enikö Nagy.

Bett, Bad und Gespräche

Die telefonische Kontaktaufnahme mit dem Frauenhaus in einer Notsituation ist denkbar einfach, und wird auch während der Krise aufrechterhalten. „Die Frauen können bei uns anrufen und sich beraten lassen. Das geht, auch ohne den eigenen Namen zu nennen“, sagt Nagy und erklärt, dass Anonymität oft eine Hemmschwelle beseitige. Möglich seien natürlich auch eine persönliche Beratung und gegebenenfalls die anschließende Unterbringung im Frauenhaus.

Alleine mit der Unterbringung im Frauenhaus sind die Probleme zwar nicht gelöst, aber es ist ein Anfang gemacht. Zusammen mit drei Kolleginnen und einer Praktikantin leistet Enikö Nagy vielfältige Hilfe. Außer „Bett, Bad und Hilfe beim Ausfüllen von Formularen“, wie auf der Internetseite des Frauenhauses zu lesen ist, gibt es auch die Möglichkeit zu Gesprächen. Diese ermöglichen es den betroffenen und oft traumatisierten Frauen, das Erlebte aufzuarbeiten. Und noch viel wichtiger: Im Frauenhaus werden ihnen Alternativen aufgezeigt. Denn Alternativen gebe es immer. „Die Frauen werden gestärkt, wir zeigen ihnen, dass ein besseres Leben möglich ist, dass es Hoffnung gibt, dass es Lösungen gibt“.

Entscheiden muss jede Frau selbst

Bereits dieser Ansatz würde den Frauen Mut machen, denn in vielen Fällen hätten die Frauen in der bestehenden Beziehung zum Partner ihren Selbstwert und die Selbstachtung verloren. Enikö Nagy bekräftigt: „Wir geben ihnen die Möglichkeit für einen Neuanfang und auch für den Neuaufbau ihres Selbstwertgefühls.“ Nagy betont aber gleichzeitig: „Wir beraten die Frauen mit dem Ziel, zu einer tragfähigen Entscheidung zu kommen. Sei es die Entscheidung, in der Beziehung zu bleiben mit unterstützenden Angeboten, oder der Entschluss, einen Neuanfang auf eigenen Beinen zu wagen. Die Entscheidung muss jede Frau selbst treffen.“

Derzeit rückt die Coronakrise das Thema häusliche Gewalt ins Rampenlicht der Gesellschaft. Der Aufschrei ist groß. Die Leiterin des Frauenhauses Weiden registriert das mit einem Kopfschütteln. Denn: „Häusliche Gewalt ist immer da. Sie war auch schon da vor Corona.“ Durch die Pandemie sei sie nur verstärkt von den Medien aufgegriffen worden. Und, so befürchtet die Sozialpädagogin, das Interesse an der Thematik könnte mit dem Verschwinden des Coronavirus auch ganz schnell wieder versiegen. Leider sind diese Befürchtungen von Nagy und ihrem Frauenhaus-Team nicht ganz unbegründet.

INFO:

Hilfetelefone

An wen kann ich mich wenden?

  • Frauenhaus Weiden, Telefon: 09 61 / 389 31-70
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, Telefon: 0 80 00-11 60 16 (kostenfrei) oder im Internet: www.hilfetelefon.de
  • Dornrose e.V., Telefon: 09 61 / 330 99 (Fach- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt und Frauennotruf)
  • Opfertelefon Weißer Ring, Telefon: 116 006 oder im Internet www.weisser-ring.de

INFO:

Ausgangsbeschränkung gilt nicht für das Aufsuchen eines Frauenhauses

Darf ich trotz Ausgangsbeschränkung ins Frauenhaus? Das Aufsuchen eines Frauenhauses gilt als triftiger Grund, das Haus zu verlassen, wie das Staatsministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert. Auch das Aufsuchen „einer Fachberatungsstelle/eines Notrufs für von sexualisierter und/oder häuslicher Gewalt betroffene Frauen und von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche in Bayern“ gilt demnach als triftiger Grund.

https://www.onetz.de/deutschland-welt/weiden-oberpfalz/frauenhaus-schutz-krise-id3008470.html

 Posted by at 16:14

Maria-Seltmann-Haus spendet an Frauenhaus

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Jan 222020
 

Die Leiterin des Frauenhauses Enikö Nagy informiert im Maria-Seltmann-Haus über häusliche Gewalt gegen Frauen und das Angebot des Hauses. So können die Zuhörer einschätzen, wie wichtig die Arbeit ist, die mit dieser Spende unterstützt wird.

930 Euro waren beim Weihnachtsbasar der Kreativgruppen des Maria-Seltmann-Hauses zusammengekommen. Socken, Töpferarbeiten, Patchwork, Geschreinertes, Bastelarbeiten aller Art und viele andere von den Kreativgruppen hergestellte Gegenstände waren verkauft worden. Jetzt übergab das eingenommene Geld Waltraud Ertl, Leiterin der Kreativgruppen im Maria-Seltmann-Haus, an die Frauenhaus-Leitung.

Dass diese Spendenübergabe mit so viel Beifall begleitet wurde, dürfte auf die vorher gehörten Informationen über die von Gewalt betroffenen Frauen zurückzuführen sein. Schon der Titel der Veranstaltung drückte es drastisch aus „Schluss mit der Romantik – über häusliche Gewalt unter unseren Dächern“. Vorgetragen wurde gleich zu Beginn, dass jede vierte Frau mindestens einmal im Leben solche Gewalt erlebt. Dabei seien nicht nur die Frauen selbst betroffen, sondern auch deren Kinder. Frauenhaus-Mitarbeiterin Baierl sprach von einer „Spirale der Gewalt“ in den Familien. Gewalt der Väter werde oft als normales Rollenmuster erlebt. Beobachtungen im Frauenhaus würden zeigen, Kinder gewalttätiger Väter neigen auch später selbst zur Gewalt. „Wir mussten auch schon die dritte Generation im Frauenhaus erleben“, berichtete Baierl.

Die Dunkelziffer sei sehr hoch, wurde berichtet, denn oft würden weitere Misshandlungen befürchtet oder es gibt Ängste vor einer ungewissen Zukunft im Falle der Flucht aus dem Haus. Manchmal würden sich Betroffene sogar mit den Tätern solidarisieren und sagen: „Er trinkt halt.“ Phasen der Gewalt und der Reue und liebevollen Vorsorge bei den Tätern wechselten sich oft ab. Doch die Abstände zwischen Gewalt und Reue würden im Laufe der Zeit immer kürzer werden. „Häusliche Gewalt ist eine Straftat“ stellte Baierl fest. Notwendig sei eine stärkere gesellschaftliche Ächtung der Gewalt und nicht die Einstellung, dass „Männer schlagen, weil sie es können und weil sie es dürfen“, betonte Nagy. Und nicht selten würde den Opfern die Schuld zugeschoben. Häusliche Gewalt gebe es in allen Gesellschaftsschichten und sei auch kein besonderes Thema von Personen mit Migrationshintergrund. Behörden wären auch längst auf diese Fälle eingestellt. So gebe es bei der Polizei einen Sachbearbeiter für häusliche Gewalt.

Dann wurde die Betreuungsarbeit im Frauenhaus vorgestellt. Sieben Plätze für Frauen und ihre Kinder gibt es dort. Sie werden von vier hauptamtlichen und zahlreichen ehrenamtlich Mitarbeiterinnen betreut. Bei jedem Zugang wird eine Gefährdungseinschätzung durchgeführt. Drohe Gefahr, bestehe die Möglichkeit der Vermittlung in ein Frauenhaus einer anderen Stadt. An die Bevölkerung appellierte Nagy: „Gewalt in einer Beziehung ist nie ein Privatangelegenheit.“ Wird diese beobachtet, gelte es Hilfe anzubieten. In akuten Situationen sollte die Polizei angerufen werden oder, gegebenenfalls anonym, das Jugendamt informiert werden. Telefonisch ist das Frauenhaus unter 3893170 rund um die Uhr erreichbar.

https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/maria-seltmann-haus-spendet-frauenhaus-id2952011.html

 Posted by at 16:08

Weihnachtsfeier für Alleinlebende in Weiden für viele das größte Geschenk

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Dez 232019
 

Diese zweieinhalb Stunden sind für manchen Menschen das größte Geschenk. Die Weihnachtsfeier für Alleinlebende an Heiligabend in Weiden einmal ausfallen zu lassen, kommt den Organisatoren nicht in in den Sinn.

„Schon im August gibt es die ersten Nachfragen, ob die Feier stattfindet“, sagt Dagmar Deutschländer. Die 55-Jährige ist Sozialpädagogin beim Diakonischen Werk Weiden, das gemeinsam mit dem Caritas-Kreisverband Weiden-Neustadt/WN im Wechsel den Abend vorbereitet. Ein Erfolgsrezept. Die ökumenische Zusammenarbeit klappt bereits seit über 30 Jahren. Damals hieß sie „Alten- und Einsamenweihnacht“. Zumindest für ein paar Stunden wollte man allein lebenden Frauen und Männern ohne Familie in der Stadt und im Landkreis eine Freude zum Weihnachtsfest bereiten.

Daran hat sich nichts geändert. Seit Jahren bleibt die Zahl der Gäste weitgehend konstant. „An die 100 sind es meistens, manche kommen jedes Jahr. Bis aus Eslarn und Wiesau“, weiß Diakon Karl Rühl. Die Altersstruktur ist gemischt. „Von 18 bis über 70 Jahren ist alles dabei. Seit ein paar Jahren kommen auch immer mehr jüngere. Spontan, von der Straße“, sagt Rühl. Das klappe ganz gut, was nicht selbstverständlich sei. „Die Leute sind unterschiedlich, manche sind gesundheitlich angeschlagen oder erscheinen bereits alkoholisiert. Da kann es natürlich Spannungen geben, aber in der Regel bleibt es friedlich. Wenn die ganze Gruppe es aushält, dann kann es auch bereichernd sein“, sagt der Diakon.

Dankbare Gäste

Jeder sei willkommen. Das sehen auch die freiwilligen Helfer so. Mit rund zehn an der Zahl ist das Grüppchen in diesem Jahr etwas kleiner als sonst. Ihr Einsatz reicht von der Betreuung an den Tischen bis hin zum Heimfahr-Service. „Wir könnten da gut noch ein paar Ehrenamtliche gebrauchen“, sagt Deutschländer. Ein 24. Dezember ohne die Alleinlebenden-Weihnacht ist für Carmen Pichel undenkbar. Familie samt Enkel müssen zur Bescherung auf sie verzichten. „Dafür haben sie mich dann an den beiden Feiertagen ganz für sich.“ Die 56-Jährige gibt gern. Dank genug sind ihr dabei die kleinen Gesten. „Die Feier findet ein Mal im Jahr statt und trotzdem kommt es vor, dass vermeintlich Fremde einen auf der Straße ansprechen und fragen, ob man sich wieder am Heiligen Abend sieht. Das macht einen schon glücklich“, sagt Pichel.

„Manche Gäste kenne ich noch vom letzten Jahr. Da ist das Wiedersehen besonders schön“, sagt auch Bärbel Poweleit. Die verwitwete Weidenerin engagiert sich seit acht Jahren. „Wir mischen uns unters Volk, sitzen mittendrin. Manche wollen reden, manche nicht. Das ist in Ordnung“, sagt die 73-Jährige. „Wir geben jedem das Gefühl, dass er willkommen ist.“ Schön sei es auch, wenn Freundschaften unter den Gästen entstehen. Da würden dann schon mal gegenseitige Kaffeeeinladungen ausgesprochen.

Deutschländer weiß, dass ein solcher Abend auch emotional anstrengend sein kann. Und das liege nicht nur an Weihnachten. Im Alltag allein und dann plötzlich so viele Leute in einem Raum? Das koste Überwindung. „Nicht jeder kann damit umgehen und es annehmen. Es passiert auch, dass Gäste mithelfen oder das Essen bezahlen wollen“, sagt die Sozialpädagogin. Das habe auch etwas mit Würde zu tun.

Niemand bleibt hungrig

Die Helfer jedenfalls wollen allen eine Freude bereiten. Der Abend bietet auch ein Rahmenprogramm mit Musik von Alleinunterhalter Hans Spindler auf dem Keyboard, dem Lauschen des Weihnachtsevangeliums, heiteren und besinnlichen Geschichten und einem festlichen Essen. „Niemand muss hungrig aufstehen, es gibt auch Nachschlag“, verspricht Diakon Rühl. Gemeinsam mit Küchenchef Ronny Hinderlich und Koch Marcel Hofmeister vom Klinikum Weiden wurde das Überraschungs-Menü besprochen. Die Besucher dürfen sich, so viel sei verraten, am Dienstag auf Suppe, ein Bratengericht und selbst gebackene Plätzchen freuen. „Stollen, Punsch und andere Getränke gibt es außerdem“, sagt Rühl. Und noch ein kleines Geschenk für jeden. „Wir versuchen immer etwas Praktisches zu schenken, mit dem die Leute was anfangen können. In diesem Jahr gibt es Honig aus der Region. Wir hatten auch schon Handschuhe, Decken, Briefbeschwerer oder Filztaschen.“ Für viele sei das oft das einzige Geschenk an Weihnachten.

Caféteria hat sich bewährt

Gefeiert wird seit Jahren in der Personalcaféteria des Klinikums. „Wir brauchen Platz für mindestens 100 Leute und eine Küche“, sagt Deutschländer. „Wir waren schon im Evangelischen Vereinshaus und im Kloster St. Augustin, in der Caféteria haben wir jedoch die besten Möglichkeiten“, sind die Organisatoren dankbar. Nur eine behindertengerechte Toilette fehle leider.

Die Feier beginnt um 18.30 Uhr und endet um 21 Uhr. „Für die meisten vergeht die Zeit viel zu schnell“, sagt Pichel. Aber auch die Helfer wollen irgendwann nach Hause zu ihren Familien. „Es wird sowieso mindestens halb elf Uhr nachts“, bis man heimkommt, sagt Deutschländer. Und wenn’s vorbei ist, kreisen die Gedanken bereits ums nächste Jahr.

Übrigens: Die Adventsgestecke auf den Tischen und den Weihnachtsstollen stiftet die Stadt. Die Kosten der Feier in Höhe von 3000 Euro teilen sich die beiden Wohlfahrtsverbände. Unbezahlbar ist jedoch die Unterstützung durch die Ehrenamtlichen.

https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/weihnachtsfeier-fuer-alleinlebende-weiden-fuer-viele-groesste-geschenk-id2928886.html

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Kirche kommt zu den Menschen

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Dez 122019
 

In den evangelischen Gemeinden Floß und Wildenreuth startete die Diakonie Weiden das Projekt „Aufsuchende Seelsorge“. Vier Jahr lang soll die seelsorgerische und diakonische Gemeindearbeit gefördert werden.

Ab sofort bis Herbst 2023 führen die evangelischen Kirchengemeinden Floß und Wildenreuth sowie der Diakonieverein Floß das diakonische Projekt „Aufsuchende Seelsorge“ unter der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Weiden durch.

Der Vorsitzende der Diakonie Weiden, Diakon Karl Rühl, ging auf die Ausgangsfrage dieses Projekts ein. „Was benötigen die evangelischen Kirchengemeinden in ihrer dörflichen Struktur an seelsorgerlichen und diakonischen Vorhaltungen? Was ist aus diakonischer Sicht möglich, um die Struktur zu stärken und die Menschen vor Ort, in ihrer gewohnten Struktur, zu begleiten?“

Viel erreicht

Antworten kamen unter anderem in den Sondierungsgesprächen beispielsweise aus Erzählungen über das Wirken von früheren Gemeindeschwestern. „Diese haben mit wenig Mitteln viel erreicht“, stellte Rühl fest. „All das, was wir heute mit modernen Begriffen, wie Case Management beschreiben, ging bei einer Gemeindeschwester ganz selbstverständlich einher und man hatte nicht den Eindruck, obwohl die Not groß war, dass unsere Gemeindeschwester ein Motivations- oder Geldproblem hatte.“ Der Wildenreuther Pfarrer Manuel Sauer betonte dabei den besonderen Auftrag. „Kirche muss bei den Menschen sein und auch im Alltag der Menschen erlebbar werden.“ Weiter sagte er: „Wir wollen mehr. Mehr für die Menschen da sein.“

Eigenständig leben

Der Vorstand der Diakonie Weiden und die Gemeindevertreter haben sich einstimmig auf eine Projektkonzeption verständigt, die eine aufsuchende, helfende, einladende und angebotsorientierte seelsorgerlich/diakonische Gemeindearbeit fördert. Dabei soll es vor allem auch hilfsbedürftigen und älteren Menschen ermöglicht werden, weiterhin eigenständig in ihrer dörflichen Umgebung zu leben.

Neben dem persönlichen begleitenden Kontakt, sollen aber auch Hilfsfelder erkannt werden und über das Individuelle hinaus, in Zusammenarbeit mit der Diakonie, weitere Maßnahmen bedacht und organisiert werden. Stichworte waren unter anderem Fahrdienste, Tagestreffen, offener Mittagstisch, Wohngruppe, Betreuungsleistungen, Babysitterdienst und Kursangebote. „Wir reden in unserer Kirche von der sogenannten ‚Geh-Struktur‘, so Pfarrer Wilfried Römischer aus Floß. „Die Kirche kommt ins Haus. Ich glaube, das kann auch den umgekehrten Weg fördern.“ Nach seinen Worten habe eine aufsuchende Kirche eine kommende Gemeinde.

Die Evangelische Landeskirche in Bayern unterstützt die zwei neuen Projekte und erhofft sich modellhafte Ergebnisse für weitere Überlegungen. Die Förderung hänge auch an der Zusammenarbeit von Kirchengemeinde und Diakonischem Werk. „Ich finde es schön, dass aus den eigenen Reihen der Kirchengemeinden fachlich qualifizierte Personen für die praktische Umsetzung des Projektes gewonnen werden konnten“, betonte Dagmar Deutschländer von der Bezirksstellenarbeit der Diakonie Weiden. Für das Projekt in Floß steht Erika Römischer-Thamm. „Die Stellenbeschreibung hat mich sofort angesprochen. Ich habe selbst bei meiner eigenen Mutter erlebt, wie erdrückend Alleinsein sein kann. Gerne lerne ich Menschen kennen, habe Zeit für das Gespräch, gerade auch in Krisensituationen, wie Krankheit, Trauer oder Sorgen. Alles bleibt bei mir!“ In der evangelischen Kirchengemeinde Wildenreuth konnte für das Projekt Bärbel Ehmann gewonnen werden. Sie ist auch Fachkraft in der Pflege und Betreuung. „Der persönliche Kontakt zu den Menschen liegt mir sehr am Herzen“, so Ehmann. „Gerne besuche ich, ich denke und handle praktisch und bin gerne in der Kirchengemeinde unterwegs“.

https://www.onetz.de/oberpfalz/wildenreuth-erbendorf/kirche-kommt-menschen-id2918320.html

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„Häusliche Gewalt aktiv ächten“

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Dez 082019
 

Ein klares Zeichen wollen sie setzen: Die CSU-Politiker Benjamin Zeitler und Lothar Höher besuchen das Weidener Frauenhaus.

Das Aufgabenspektrum des Diakonischen Werkes Weiden ist vielfältig. Davon überzeugten sich nun Oberbürgermeisterkandidat Benjamin Zeitler und Bürgermeister Lothar Höher. Im Vordergrund des Besuchs standen das Frauenhaus und die Absicht, ein klares Zeichen gegen häusliche Gewalt zu setzen.

Geschäftsführender Vorstand Karl Rühl gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung des Frauenhauses, das 1996 gegründet worden war. Dabei verdeutlichte er, dass die Diakonie als Träger dieser Einrichtung viele Herausforderungen zu meistern habe, und bemängelte, dass es für investive Maßnahmen derzeit keine Zuschüsse gebe. Zwar sei man mit den staatlichen Stellen im Gespräch. Allerdings sei nicht klar, ob eine Unterstützung aus dieser Richtung möglich sei.

Die Leiterin des Frauenhauses, Enikö Nagy, berichtete mit ihrer Mitarbeiterin Tina Braun über den Alltag im Frauenhaus und über die immer noch weitverbreitete häusliche Gewalt. „Jede vierte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt. Betroffen sind Frauen aus allen sozialen Schichten“, berichtet Nagy. Diese Zahl dürfe eine aufgeklärte Gesellschaft nicht akzeptieren. Deshalb betreibt das Frauenhaus intensive Öffentlichkeitsarbeit, um die Menschen zu sensibilisieren.

Neben dieser Vortrags- und Informationsarbeit kümmere sie sich im Wesentlichen selbst um Frauen, die keinen anderen Ausweg als die Flucht von zu Hause kannten. Ihnen liege am Herzen, dass die Frauen wieder ihren Weg zurück in ein normales Leben fänden. Insgesamt könnten sieben Erwachsene und zwölf Kinder aufgenommen werden. Tatsächlich sei das Haus meist auch voll belegt, was die Problematik der häuslichen Gewalt unterstreiche.

Für Bezirkstagsvizepräsident Höher spielte die Vernetzung der einzelnen Akteure eine wichtige Rolle. Auch der Bezirk Oberpfalz trage mit seinen Einrichtungen in Wöllershof und Weiden dazu bei. Zeitler hielt es für wichtig, dass häusliche Gewalt aktiv geächtet werde. „Für Gewalt gibt es nie eine Rechtfertigung, das gilt insbesondere für zu Hause.“ Im Kampf gegen die häusliche Gewalt müssten alle Verantwortlichen in staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen eng zusammenarbeiten. Die politischen Gäste sagten hierfür, wie auch für die Arbeit des Frauenhauses, weiterhin ihre Unterstützung zu.

https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/haeusliche-gewalt-aktiv-aechten-id2917512.html

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„Rosen statt Veilchen“ in Weidener Fußgängerzone

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Nov 252019
 

146 Fälle von häuslicher Gewalt hat die Polizei heuer bereits registriert. Mit einer besonderen Aktion beleuchten das Weidener Frauenhaus und die Polizei auf das Thema hin.

Zum „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am Montag setzten Frauenhaus und Polizei ein Zeichen der Solidarität mit Betroffenen. Auf dem Weidener Marktplatz verteilten die Aktionshelfer dazu lila Papierblumen an Passanten. Motto: „Rosen statt Veilchen“.

Bereits im Vorfeld waren Bürger dazu aufgerufen, Rosen zu basteln, die sich am Montag zu einem Gemeinschaftskunstwerk verbanden. Wie die Leiterin des Frauenhauses, Enikö Nagy, betonte, ist häusliche Gewalt in all ihren Formen ein zentrales Problem. Etwa 45 Frauen und die selbe Anzahl an Kindern suchen jedes Jahr Zuflucht in der Einrichtung. Die Dauer der Hilfeleistung erstreckt sich von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Ziel sei es, die Leben der Betroffenen zu stabilisieren. Dazu werde neben juristischer Hilfe auch solche bei der Wohnungs- und Jobsuche angeboten. Laut Polizei wurden heuer bisher 146 Fälle häuslicher Gewalt angezeigt. Polizeihauptkomissar Jürgen Haubner lobte die langjährige Zusammenarbeit mit dem Weidener Frauenhaus.

https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/rosen-statt-veilchen-weidener-fussgaengerzone-id2907063.html

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Selbsthilfegruppen präsentieren sich in Neustadt/WN

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Sep 302019
 

„Jetzt gehen Sie mal auf dem weißen Strich.“ – „Welcher Strich von beiden?“ Mit einer „Rauschbrille“ hat man plötzlich 1,5 Promille im Gesicht und sieht doppelt. Der Kreuzbund warnt damit beim Selbsthilfetag vor dem „Teufel Alkohol“.

Die Selbsthilfegruppen der Region haben in der Neustädter Stadthalle erstmals ihren großen Auftritt. Der von der Selbsthilfekontaktstelle Nordoberpfalz (www.seko-nopf.de) organisierte Selbsthilfetag zeigt, welche Bandbreite an Anlaufstellen es für Menschen mit Behinderungen gibt, für Menschen, die krankheitsbedingt mit Einschränkungen leben müssen, oder solche, die sich wie die Kreuzbündler von einer Droge fernhalten wollen und sich damit leichter tun, wenn sie sich einmal die Woche mit ihresgleichen austauschen können.

„Wir alle sind Selbsthilfe, und Selbsthilfe verbindet“ ruft Ramona Kriegler den Gästen zu. Sie hat zusammen mit Nicole Zeitler die Veranstaltung organisiert; beide betreuen die Selbsthilfekontaktstelle Nordoberpfalz bei der Diakonie Weiden, die eine als Pädagogin, die andere als Verwaltungsangestellte.

„Gesellschaft wäre ärmer“

Landrat Andreas Meier dankt als Schirmherr der Veranstaltung den vielen Ehrenamtlichen für deren „Zeit-Opfern“. Wenn es nicht Menschen gäbe, die sich für andere engagierten, wäre diese Gesellschaft um so vieles ärmer. „Ich glaube, dass Sie sehr vielen Menschen sehr viel Positives bringen“, sagt er. Meier erinnert an den Markenbildungsprozess des Landkreises „Denk mal NEW“, in dessen Verlauf sich nach Umfragen und Interviews gezeigt habe, dass die Lebensqualität zu einem hohen Prozentsatz abhängig davon sei, inwieweit man sich aufgehoben und eingebunden fühle in eine Gemeinschaft, und genau das sei sehr eng verbunden mit ehrenamtlichem Engagement.

Bürgermeister Rupert Troppmann will den Hintergrunddienst der Ehrenamtlichen einmal bewusst ins Rampenlicht gestellt sehen. „In unserer so modernen Zeit, in der Industrie 4.0 und der Kommunikation 4.0 gerät das persönliche Miteinander manchmal auf 0.0“, sagt er. Beeindruckend sei der Zusammenhalt der Selbsthilfegruppen, die Lebensfreude in diesen Gruppen. Wann immer er als Bürgermeister mit einer Selbsthilfegruppe zu tun habe, gehe er gestärkt wieder fort. Und auf gut Oberpfälzisch meint er: „Däi hom alle an Beckl und hom trotzdem so vül Freude am Lebn.“ Das sei es, das den Geist der Selbsthilfegruppen ausmache und darum sei deren Arbeit so wertvoll. Die Stadt sei in der glücklichen Lage, sehr viele Selbsthilfegruppen zu haben.

Den Alltag erleichtern

Die verschiedenen Selbsthilfegruppen erläutern an Infoständen ihre Arbeit, Mitglieder beschreiben Interessierten den Gruppenalltag. Es gibt in der Region für nahezu jeden „Beckl“, um den Bürgermeister zu zitieren, eine Gruppe von Menschen, die alle dieselben Probleme haben. Eine Gruppe, in der es sich leichter erzählen lässt, was man erträgt, weil die anderen ganz genau wissen, wovon man spricht. In der immer wieder einer etwas Neues weiß, was den Alltag ein klein wenig erleichtert.

Zum Rahmenprogramm des Selbsthilfetages gehören prominent besetzte Vorträge. Reinhard Stummreiter, der einst dicke Trommler der Altneihauser Feierwehrkapell ́n, liest aus seinem Buch „Meine fetten Jahre sind vorbei“, die Wissenschaftsjournalistin Dr. Christina Berndt spricht über Resilienz, die Paraolympionikin Christine Stöckl über die Möglichkeiten, sich neu zu motivieren. Dazwischen macht die Band „Chicks and Escapades“ Musik.

https://www.onetz.de/oberpfalz/neustadt-waldnaab/selbsthilfegruppen-praesentieren-neustadt-wn-id2856114.html

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Kraft und Zuversicht tanken

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Jun 302019
 

„Viele Leute fürchten, wir reden nur über Krankheiten, und dann geht es ihnen schlechter.“ Dabei ist genau das Gegenteil der Fall, betont Helvi Lorenz. Die Gruppengespräche geben den chronisch Kranken Halt und neuen Mut.

Genauso ist es der 53-Jährigen selbst ergangen. Deshalb hat sie vor zwei Jahren in Weiden eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Chronisch Entzündlicher Darmerkrankung (CED) ins Leben gerufen. Dabei hat sie bis zur richtigen Diagnose ihrer Erkrankung – sie leidet an Colitis Ulcerosa (CU) – einen jahrelangen Leidensweg zurücklegen müssen.

Seit 2005 litt die Kunststoffingenieurin an CU mit sehr schweren Schüben. 2010 bei einem Besuch ihrer Eltern in Leipzig kam es zum Totalzusammenbruch. Sie wurde als Notfall in die Leipziger Klinik eingeliefert. Dort wurde die richtige Diagnose gestellt. 2016 während eines Kuraufenthalts kam es erneut zu sehr schweren Schüben. Helvi Lorenz wurde zur Not-Operation nach Leipzig transportiert und nach der Entfernung des Dickdarms mit einem Stoma, einem künstlichen Darmausgang, versorgt.

Damals hat sie sich in Leipzig auch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen, weil es ihr so schlecht ging. „Nach dem ersten Treffen fühlte ich mich wie ein anderer Mensch“, sagt sie heute. Die Gespräche mit anderen Betroffenen gaben ihr Halt und neue Kraft. Deshalb hat sie 2017 in Weiden ebenfalls eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. „Ich gehe offen damit um, damit andere Betroffene wissen, wo sie sich hinwenden können.“

Zu den Menschen mit Chronisch Entzündlicher Darmerkrankung gehören auch Patienten mit Morbus Crohn. Etwa 400 000 Menschen mit CED leben in der Bundesrepublik, berichtet Lorenz. Die Zusammensetzung der Gruppe – Frauen und Männer im Alter von 21 bis 75 Jahren – zeige: „Es kann jeden treffen“. Von den 17 Gruppenmitgliedern kommen jeweils 6 bis 10 zu den regelmäßigen Treffen jeden ersten Donnerstag im Monat im Sankt-Michaels-Zentrum.

Dabei hat sich gezeigt, dass es an CED-spezialisierten Gastroenterologen für die ambulante Versorgung von CED-Patienten in der Region fehlt. Es gibt zwar einen Facharzt am Weidener Klinikum. Der sei aber nicht für die ambulante Versorgung zuständig, weiß Helvi Lorenz. „Die Teilnehmer unserer Selbsthilfegruppe fahren deshalb zu Spezialisten in Burglengenfeld, Regensburg, München, Tübingen oder Leipzig.“ Ein Krankheitsschub kündige sich zwar an, zum Beispiel durch Bauchschmerzen, Übelkeit, Fieber oder Durchfall. „Dann noch 100 Kilometer zu fahren, ist nicht einfach. Dabei ist gerade dann eine schnelle medikamentöse Versorgung wichtig. Trotzdem kann man nicht jedesmal gleich in die Klinik.“

In den Gruppentreffen sprechen die Teilnehmer über die Symptome ihrer Krankheiten, die von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen können, ebenso wie über die medikamentöse Behandlung oder auch private Themen, die mit der Krankheit überhaupt nichts zu tun haben. „Wir organisieren außerdem die Teilnahme an Arzt-Patienten-Seminaren über die Dachorganisation DCCV.“ Wichtig sind Fragen der Alltagsbewältigung, sagt Lorenz. Neue Interessierte sind jederzeit willkommen und können sich bei Helvi Lorenz melden unter Telefon 0961/47062288, mobil 0160/97595855 oder per Mail an helvi_lorenz@t-online.de

Das Thema Ernährung spielt ebenfalls ein große Rolle. Deshalb wird demnächst eine Ernährungsberaterin einen Vortrag halten. Dabei hat die Ernährung ursächlich nichts mit der Erkrankung zu tun, betont Lorenz. „Man kann alles essen, was man verträgt.“ Viele würden allerdings bestimmte Lebensmittel meiden, weil diese bei ihnen Schmerzen auslösten. „Das ist aber ganz subjektiv.“ Sie selbst esse nach ihrer Operation wieder alles: Fleisch, Fisch, Gemüse, Kartoffeln und Obst. Vor der OP dagegen hätten ihr Kartoffeln und Reis Schmerzen verursacht. „Und Bananen gingen überhaupt nicht.“ Sie selbst magerte damals auf 47 Kilo ab. „Mangelernährung ist ein großes Problem.“ Für Helvi Lorenz sind diese Zeiten vorbei.

HINTERGRUND:

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa

Etwa 400 000 Bundesbürger leiden laut Helvi Lorenz an einer Chronisch Entzündlichen Darmerkrankung (CED), also Mobus Crohn oder Colitis Ulcerosa. Beide Erkrankungen verlaufen in Schüben, weisen verschiedene Symptome und Begleiterkrankungen auf und begleiten die Patienten ein Leben lang. Colitis Ulcerosa tritt nur im Dickdarm auf, die oberste Schicht der Darmwand ist entzündet. Morbus Crohn dagegen kann im gesamten Verdauungstrakt auftreten, das heißt vom Mund bis zum After.

Infotag für Selbsthilfegruppen

„Selbsthilfegruppen wie die für Patienten mit Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen sind für die Betroffenen wichtige Stützen in Problemsituationen“, sagte Ramona Kriegler. Die Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle beim Diakonischen Werk plant mit Unterstützung ihrer Verwaltungskraft Nicole Zeitler für Herbst eine Premiere. Am Samstag, 28. September, von 13 bis 18 Uhr wird der erste Selbsthilfe-Tag stattfinden. In Workshops, durch Vorträge und an Ständen können sich Selbsthilfegruppen aus der Region bei dieser Gelegenheit vorstellen. „Wir wollen den Menschen die Idee der Selbsthilfegruppen nahebringen“, sagt Kriegler. Mancher Bürger sei diesem Gedanken gegenüber noch sehr verschlossen.

https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/kraft-zuversicht-tanken-id2765344.html

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