„Ich will nie wieder so sein“:
Wenn Gewalttäter Hilfe und Therapie suchen

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Wenn Gewalttäter Hilfe und Therapie suchen
Mai 172022
 

„Täterberatung“ klingt seltsam und im ersten Moment vielleicht auch etwas missverständlich. Doch die Arbeit dieser Anlaufstelle für Männer, die ihrer Partnerin gegenüber gewalttätig wurden, ist sehr wichtig. Das zeigt das Beispiel von Jürgen P.

Von Wolfgang Würth

Schwandorf. Und irgendwann kam die Polizei. Jürgen Ps. (Name von der Redaktion geändert) Partnerin hatte sie gerufen, am Kopf blutend und vom Badezimmer aus. Dort hatte sie sich eingesperrt, nachdem P. ihr einen Telefonhörer auf den Kopf geschlagen hatte. Die Beamten kamen der Frau zu Hilfe. Wenig später war auch Jürgen P. klar, dass er Hilfe benötigt.

Der Vorfall ist rund ein Jahr her. Wenn P. heute darüber spricht, klingt es beinahe so, als ginge es um die Tat eines anderen. Sachlich und mit Distanz spricht er darüber, was er seiner Partnerin damals im Streit angetan hat. P. scheint selbst zu bemerken, dass das bei einem Außenstehenden falsch ankommen könnte. Von selbst betont er plötzlich, dass die Schuld an dem Vorfall alleine bei ihm liegt. Es sei ihm wichtig gewesen, sich zu ändern. „Ich wollte so nicht mehr sein.“

„Fachkraft für Täterberatung“
Tatsächlich hat P. seit dem Vorfall einen weiten Weg zurückgelegt und an sich gearbeitet. Das bescheinigt ihm Katja Deyerl. Die Sozialpädagogin leitet bei der Diakonie in Weiden seit Anfang 2021 eine sogenannte Täterberatung. Die 43-Jährige ist als „Fachkraft für Täterarbeit häusliche Gewalt“ speziell ausgebildet mit Menschen zu arbeiten, die in ihren Beziehungen gewalttätig geworden sind. Grundsätzlich können Täter auch Frauen sein, es kann sich auch um eine homosexuelle Beziehung handeln. Die Täterberatung in der Oberpfalz besuchen derzeit aber nur Männer. Manche kommen freiwillig so wie Jürgen P. Andere erhalten von der Justiz die Auflage, das Angebot zu besuchen.

Ohne vorherige Einzelgespräche sei das aber nicht möglich, erklärt Deyerl. Sie müsse zuerst abklären, ob der jeweilige Bewerber bereit ist, sich zu öffnen und ob auch die sonstigen Voraussetzungen gegeben sind. So dürfe keine Suchterkrankung oder psychologische Auffälligkeit oder eine Suchterkrankung vorliegen. „Ein Stalker wäre zum Beispiel falsch“, veranschaulicht Deyerl.

In der Gruppe sollen es die Teilnehmer durch ihre Mitarbeit, durch Austausch und die Konfrontation mit ihren Taten, schaffen, künftig nicht mehr gewalttätig zu werden. Das ist das oberste Ziel des Angebots. Dazu sollen die Teilnehmer zunächst lernen, die Verantwortung für ihre Gewalttaten zu übernehmen, Empathie zu entwickeln, eigene Grenzen und die der anderen zu erkennen und zu akzeptieren. Letztlich gehe es darum, Konflikte sozial kompetent und gewaltfrei zu lösen.

Von der Partnerin selbst getrennt
Hieran arbeitet auch Jürgen P. seit etwa einem Jahr. Neben der Teilnahme an der Täterberatung absolviere er eine individuelle Verhaltenstherapie: „Ich will nie wieder so sein“, bringt der fast 50-Jährige seine Motivation nochmals auf den Punkt. Tatsächlich habe die Partnerin ihn nach dem Vorfall nicht verlassen, aber gefordert, dass er an sich arbeitet und dabei Hilfe sucht. Im Netz sei er dann auf die Täterberatung
aufmerksam geworden.

Das Angebot nutzt er bis heute, von der Partnerin habe er sich dagegen inzwischen getrennt. Auch
weil er durch die Beratung und die Therapie einen anderen Blick auf sich, sein Leben und sein Handeln gewonnen habe, hat er sich dazu entschieden. Dass bedeute aber nicht, dass er seiner früheren Partnerin
eine Teilschuld an seinen Taten geben will. „Für das, was ich gemacht habe, bin ich ganz alleine verantwortlich.“ Dennoch habe er für sich festgestellt, dass ihm und seinem Wesen die Nähe zu der Frau nicht gut getan habe.

Alle Schichten, alle Nationalitäten
Tatsächlich komme das immer wieder vor, sagt Katja Deyerl über die Teilnehmer der Beratung: Dass sich die Täter von ihren früheren Opfern trennen, statt anders rum. Allerdings warnt die Sozialpädagogin vor zu einfachen Verallgemeinerungen. Es sei sehr schwer Aussagen zu treffen, die für alle Teilnehmer gelten „Die Männer in der Beratung kommen aus allen Schichten“, sagt sie. Es sei nicht so, dass es nur sozial schwache Schichten betreffe oder bestimmte Kulturkreise. Es sei zwar richtig, dass der kulturelle Hintergrund die eigene Einstellung zur Gewalt und zur Rolle der Frau prägen kann. Aber es sei viel zu einfach, zu sagen, jemand wird gewalttätig, weil er aus einem bestimmen Land oder einer bestimmten Religion kommt.

Überhaupt warnt Deyerl vor Schwarz-und-Weiß-Denken. Es sei nicht so, dass sich ausschließlich brutale Schläger vierzehntägig bei ihr zum Austausch treffen. „Es sind wirklich ganz tolle Männer in der Gruppe“, sagt die Sozialpädagogin. Wenn es da etwas Verbindendes gibt, dann seien das negativ prägende Erfahrungen in der eigenen Kindheit. Bei vielen der Teilnehmer haben die Eltern kein gutes Beispiel abgegeben, den Kindern nicht vermittelt, dass es in einer Partnerschaft vor allem um einen liebevollen Umgang gehen sollte.

Mit rosa Jacke in die Schule
An der Stelle nickt Jürgen P: „Meine Eltern waren nie nett zueinander.“ Tatsächlich klingt die Schilderung
seiner Kindheit schon eher nach einem Glasscherben-Klischee. P. ist in einer sozial schwachen Familie mit sehr vielen Geschwistern aufgewachsen. Gewalt, um sich durchzusetzen, habe darin immer eine gewissen Rolle gespielt. Auch der eher schwächliche kleine Jürgen habe in den 1970ern lernen müssen, sich zu behaupten. „In der zweiten Klasse musste ich einen rosa Anorak mit Blumenmuster in die Schule anziehen“, erinnert er sich. Seine Eltern hatten einfach kein Geld, um für den Winter eine andere Jacke zu kaufen. „Können Sie sich vorstellen, was eine rosa Jacke mit Blumenmuster in der Klasse für mich bedeutet hat?“ Um sich wehren zu können, beginnt Jürgen P. mit Kampfsport und wird bald recht erfolgreich. Gleichzeitig startet er eine Karriere als „Discoschläger“ im Schwandorfer Raum. „Der Jugendrichter hat mich damals auf der Straße mit Namen gegrüßt. So oft war ich bei dem.“

Gutes Verhältnis zu den Kindern
Allerdings schafft P. den Absprung von der schiefen Bahn. Heute arbeitet er als Spezialist in der Logistikbranche, verdient dort gut. Seine erste Ehe wurde vor elf Jahren geschieden, zu seinen heute erwachsenen Kindern habe er ein sehr gutes Verhältnis. „Ihnen gegenüber war ich nie gewalttätig.“ Seiner Ex-Frau gegenüber allerdings schon. Einmal habe es einen Vorfall gegeben. Bei seiner neuen Partnerin habe es dann mit verbaler Gewalt begonnen, später habe er sie immer wieder im Streit geschubst. Bis
dann der Schlag mit dem Telefonhörer kam.

Wie das möglicherweise alles zusammenhängt und wo die Verbindung zu seiner Entwicklung liegt, das habe er sich unter anderem auch durch die Täterberatung erschließen können. Sich dort zu öffnen, sei alles andere als leicht gewesen und habe einige Sitzungen gedauert. Heute sei er froh, dass er den Mut aufgebracht hat, sagt Jürgen P. Tatsächlich habe er den Eindruck, dass sich die Beschäftigung mit sich auch auf seinen Alltag niederschlägt.

Er werde seltener wütend, komme ohne Beleidigungen aus. Auch im Umgang mit seinen Arbeitskollegen habe er das Gefühl, dass ihm die Beratung und Verhaltenstherapie helfe. „Tatsächlich hat mir mein Vorgesetzter im Jahresgespräch erst gesagt, dass es einfacher und angenehmer ist, mit mir umzugehen.“ Die anfangs mühevolle Beschäftigung mit sich und seinem Verhalten scheinen sich für Jürgen P. nun auszuzahlen.

Täterberatungsstelle der Diakonie Weiden:
Telefon: 0961/3 89 31 15, E-Mail
taeterberatung@diakonie-weiden.de,
www.diakonieweiden.de/taeterberatung

Der neue Tag, Ausgabe vom 17.05.2022

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Die Selbsthilfekontaktstelle zu Besuch beim SPDi Weiden

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Mai 172022
 

Am Fr. 29.04.2022 stellten Brigitte Lindner und Jürgen Huhn (hinterste Reihe) auf Einladung von Sabine Dobmeier,  der Leiterin des SPDi (vorne links),  die Arbeit der SeKo bei den Kolleg*innen  der Beratungsstelle für Seelische Gesundheit vor.

Bei einem rund zweistündigen Gespräch stellten sich auch  die einzelnen Fachbereiche der Beratungsstelle in der Bismarckstraße vor und gemeinsam wurden Möglichkeiten einer weiterführenden Zusammenarbeit besprochen.

So wird die Selbsthilfekontaktstelle bereits am Di 12.07.2022 an einem weiteren informellen Austausch teilnehmen. Dieses Mal  allerdings im Kreis der Klient*innen des SPDi  und deren Angehörigen. Diesen sollen u.a. die Möglichkeiten der Selbsthilfegruppen-Arbeit und die Aufgabe der Selbsthilfekontaktstelle  vorgestellt werden.

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Diakonie Weiden gibt neues Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung zum Bezug frei

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Apr 082022
 

Pressemitteilung der Diakonie Weiden

Die Diakonie Weiden hat in den letzten Monaten eine 140m² Wohnung mit der finanziellen Unterstützung der Glücksspirale so umgebaut, dass dort eine selbständige Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung entstanden ist.
Maximal 4 Mieter*innen können die geräumige Wohnung nun mieten und dort eigenverantwortlich für alle Bereiche, wie jeder andere Mieter, wohnen und leben.
Gut 60 000,- € wurden zusätzlich in die Wohngemeinschaft  investiert. Dank der Glücksspirale, mit einer Förderung von knapp 50 000,- €, kann der bisherige Mietzins beibehalten werden.
Bezirkstags Vizepräsident Lothar Höher zeigt sich mit den Einrichtungsleitern Diakon Wolfgang Reuther und Sonja Rummler vom St. Michael-Zentrum über das Ergebnis der Umbauten beeindruckt. Konzeptionell ist das der richtige Weg, nämlich geeignete behindertengerechte und bei Bedarf begleitete Wohnformen zu schaffen. Der Grundsatz: Wo nur möglich, ambulant vor stationär, findet mit allen seinen neuen Herausforderungen eine Antwort.
Die neue Wohnform wird begleitet von der Fachstelle Ambulant Betreutes Wohnen der Diakonie Weiden. Vorstand Diakon Karl Rühl bedankte sich namentlich bei Frau Dick, Diakon Reuther, den Hausmeistern und der Verwaltung, die im Entstehungsprozess dazu beigetragen haben, dass nun diese selbstständige Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung entstanden ist.

von links nach rechts:
Bezirkstags Vizepräsident Lothar Höher, Pflegedienstleitung/stellv. Heimleitung Sonja Rummler, Heimleitung Diakon Wolfgang Reuther
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Selbsthilfefreundliches Krankenhaus

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Mrz 182022
 

Am 08.02.2022 stellte Brigitte Lindner von der Selbsthilfekontaktstelle Nördliche Oberpfalz (SeKo NOPf.) das Projekt „selbsthilfe-freundliches Krankenhaus“ den Besucher*innen und Angestellten in der Oase des Sozialteams vor. Es ist eine Tagesstätte für psychiatrieerfahrene Menschen in Weiden – zu finden im 2. Stock des Verlagshauses Spintler in der Hochstraße 21.

Einige der Anwesenden zeigten sich sehr interessiert und für eine Zusammenarbeit bereit. Beim „Selbsthilfefreundlichen Krankenhaus“ handelt es sich zunächst um ein Pilotprojekt, eine Zusammenarbeit der Seko mit dem Bezirkskrankenhaus Wöllershof. Im Gesundheitswesen wird die Wichtigkeit der Selbsthilfe als wichtiges Standbein der Rehabilitation bzw. der Nachsorge immer mehr erkannt und gewürdigt.

Psychiatrie-erfahrene Personen aus der Selbsthilfe gesucht

Haben Sie Interesse daran, im neu zu gründenden Qualitätszirkel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ mitzuarbeiten, der im Lauf des Jahres in Wöllershof stattfinden wird?

Dafür werden psychiatrie-erfahrene Personen aus der Selbsthilfe gesucht.

Mehr Info gern in der Seko NOPf, Brigitte Lindner,

Tel.: 0961 / 389 31 63 oder seko.nopf@diakonie-weiden.de

oder schon mal vorab: www.selbsthilfefreundlichkeit.de

Termine gibt es im ersten Halbjahr 2022 noch keine, es wird anfangs allerhöchstens ein Termin im Monat sein, dauerhaft dann eher weniger.

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25. Jubiläum der Parkinson-Gruppe

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Dez 022021
 

Zum 25jährigen Jubiläum der Parkinson-Regionalgruppe Weiden hatte die 1. Vorsitzende, Veronika Lederer, am 20.10.2021 ins Café Mitte eingeladen.

Sie konnte zahlreiche Mitglieder, Förderer und Lokalpolitiker*innen (u.a. OB Meyer, Bürgermeister Wildenauer und Stadtratskolleg*innen) zu diesem denkwürdigen Tag begrüßen.

Nach Dankesworten an die Gäste, Würdigung der Gründer und langjährigen Unterstützer der Gruppe, folgte die Ehrung der langjährigen Mitglieder der Selbsthilfegruppe mit einem kleinen Geschenk.

Die Selbsthilfegruppe versucht, ihre Mitglieder vom oft beschwerlichen Alltag abzulenken, mit informativen Vorträgen und Fahrten und auch mit geselligen Aktionen.  

Der zum Jubiläum engagierte Vortragsredner Herr Dr. Martin Winterholler, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Rummelsberg, unterstrich die Wichtigkeit, nicht die Krankheit in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das Leben. Wer sich mit seiner Diagnose aktiv auseinandersetzt und etwas unternimmt, hat ganz eindeutig die bessere Perspektive. Deshalb ist die Selbsthilfearbeit auch offiziell „systemrelevant“.

Nach einem kurzen Einblick in die Geschichte der Parkinson-Krankheit gab er Informationen zum aktuellen Stand der Forschung. Parkinson ist zwar seit 190 Jahren erkannt, aber erst seit 5 bis 8 Jahren weiß man von den Vorgängen in den Zellen, und wie man sie verhindern kann. Mit diesen Erkenntnissen können jetzt Medikamente und/oder eine Impfung entwickelt werden, die nicht nur die Symptome lindern, sondern die Ursache bekämpfen.

Dr. Winterholler gibt wertvolle Alltagstipps: Der Genuss von Kaffee verbessert die Wirkung der Medikamente und vermindert so die Symptome der Krankheit.

Zwei mal tägliche Bewegung wie QiGong oder Tanz kann den Einsatz von Medikamenten verringern. Die Beweglichkeit erhält sich dadurch erheblich länger.

Nach dem – trotz des ernsten Themas – unterhaltsam vorgetragenen Referat wurde mit einem reichhaltigen Kuchenbuffet, sowie Häppchen und Getränken, noch schön gefeiert.

Denn das gesellige Beisammensein und Freude am Leben ist die beste Medizin.

Veronika Lederer hatte mit Unterstützung ihres Mannes und einiger Aktiven der Gruppe einen sehr gelungenen und leckeren Nachmittag organisiert.

Die Treffen der Gruppe finden an jedem dritten Mittwoch im Monat um 14 Uhr im Café Mitte statt, in Weiden, zum Stockerhutpark 1

Kontakt: Veronika Lederer, Tel. 0961 / 381 90 591

Foto: Herr Kreuzer, Neuer Tag

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Von der Schuld befreien

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Dez 022021
 

Angehörige von Corona-Verstorbenen in ihrer Not nicht alleine lassen – Moderierter Abend von Erika Kleber im Haus der Diakonie Weiden

Der Verlust eines lieben Menschen ist für sich alleine schon schwer belastend. Wohin mit meinem Schmerz, wohin mit meiner Liebe? Was mache ich mit der Leere und der plötzlichen Einsamkeit? Kommen noch Zweifel und Schuldgefühle hinzu, wird die Last schier unerträglich.  Habe ich selbst dazu beigetragen, ihn bzw. sie am Ende selbst infiziert? Bin ich durch mein Verhalten mitverantwortlich für den Tod des geliebten Menschen? Ich habe Schuldgefühle, weil  ich meine Lieben im Krankenhaus oder Altersheim alleine lassen musste. Wie kann man damit fertig werden, wie damit leben?

Darum ging es am vergangenen Donnerstag (30.09.)  im  Haus der Diakonie. Die Selbsthilfekontaktstelle (SEKO) hatte trauernde Angehörige zu einem  moderierten Abend zum Thema „Schuld“ eingeladen. Erika Kleber, Altenpflegerin, Geronto- und Palliativfachkraft, sowie Stationsleitung im Eleonore Sindersberger Altenheim,  ging einfühlsam auf Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein. Im weiteren Verlauf zeigte sie auch verschiedene Aspekte von „Schuld“ auf. Wie kommt es dazu, dass wir uns schuldig fühlen und wie kann man sich davon befreien?

Es ist schwer vorstellbar, dass dieses Leid noch gesteigert werden kann. Aber fast alle Anwesenden erzählten von unmenschlichen Bedingungen und Verhalten in Pflegeheimen oder Kliniken. Die negativen Erfahrungen überwogen deutlich! Allerdings wurde auch von Seniorenheimen berichtet, die eine Begleitung des Angehörigen ermöglichten. Erzählungen von einfühlsamen Personal und verständnisvollen Ärzten wechselten sich ab mit Berichten über ein völlig gefühlloses und ignorantes Verhalten. Eine Teilnehmerin erwog sogar, die betreffende Klinik zu verklagen. Dem allem noch nicht genug, kamen noch abwertende oder verharmlosende Kommentare aus dem Freundeskreis  oder von  Nachbarn hinzu.

Trauerbewältigung ist eine Befreiung. Sich und andere von „Schuld“ freisprechen zu können, ist gleichfalls befreiend. Das gemeinsame Gespräch wurde an diesem Abend von allen als sehr wertvoll und hilfreich empfunden. Und es sind starke Menschen, die sich dieser Trauer stellen und nicht an ihr zerbrechen wollen. Die einen Weg suchen, sich von Schuld und Leid zu befreien und wieder Freude erleben möchten. Auch, wenn es anfangs schwer ist.

Ende Juli startete ein Selbsthilfe-Projekt für Angehörige von Menschen, die mit oder an Corona verstorben sind. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gab den Startschuss in Weiden, um bayernweit die Gründung eines Netzwerks von Selbsthilfegruppen zu fördern. Im August fanden sich erste Angehörige in Weiden zur Gruppe „Corona-Hinterbliebene“ zusammen. Kontakt: Christine Eglmeier, Tel 0151 – 728 35 458, E-Mail: c-eglmeier@gmx.de

Bei der  Selbsthilfekontaktstelle besteht zudem die Möglichkeit, zu über 100 Selbsthilfegruppen der nördlichen Oberpfalz zu den unterschiedlichsten Themen Informationen und Ansprechpartner zu erhalten.

Brigitte Lindner / Jürgen Huhn, Tel 0961 / 389 31 63, E-Mail: seko.nopf@diakonie-weiden.de

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Weidener Altstadt kommt ins Eleonore-Sindersberger Altenheim

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Okt 072021
 

„Putzperle“ war gestern. Das Eleonore-Sindersberger-Altenheim arbeitet an einem neuen Projekt: „Altstadtgeschichten“. Doch zuvor müssen Gerontofachkraft Gerlinde Koch, Künstler Udo Binder und die Heimbewohner eine würdige Kulisse gestalten.

Weiden. (ppfr) Fünf Jahre lang hat Gerlinde Koch, Gerontofachkraft des Eleonore-Sindersberger-Altenheims Weiden, das Projekt „Leselampe“ betreut, wo sie vom Oberbürgermeister über den Musiker bis zum Leiter der KZ-Gedenkstätte
einfach jedem kecke Fragen stellte. „Damit konnten wir immer viele Leute begeistern. Wir haben es geschafft, die Leute gar von draußen dazu ins Heim zu holen“, erzählt sie stolz. Die Coronapandemie hat dem Projekt aber ein jähes Ende bereitet. Die „Leselampe“ wurde zum vorerst letzten Mal zum 50. Geburtstag des Seniorenheims 2019 angeknipst. Nun gibt es neue Ideen.

Mit dem Projekt „Altstadtgeschichten“ sollen die erfolgreichen Zeiten wieder aufleben. „Wir wollen die Altstadt ins Heim holen“, erklärt Gerlinde Koch. Und wie funktioniert’s? „Frau Koch wird als Putzperle Frau Huber auf dem Markt
unterwegs sein und interessante Leute kennenlernen, mit denen sie dann auf einen Tratsch ins Café geht“, erläutert die Ideengeberin. Diese interessanten Leute werden dabei direkt ins Seniorenheim eingeladen, wobei die Bewohnerinnen
und Bewohner bestimmen, wer kommen soll. Auch können die Heimbewohner den geladenen Gästen dann Fragen stellen.

Altes Rathaus als Kulissenbild
Bevor die Altstadtgeschichten aber so richtig loslegen können, braucht es ein Kulissenbild. Heimbewohner arbeiten daran mit, füllen es mit Farbe und mit Leben. Ein markantes Motiv Weidens soll gezeigt werden: das Alte Rathaus. Udo Binder, freischaffender Künstler und Lehrer im Ruhestand, hilft mit. Binder ist kein Unbekannter im Heim, betreut er doch die künstlerischen Aktivitäten seit geraumer Zeit.

Schnell wird deutlich, dass das ausgesuchte Motiv des Weidener Rathauses es durchaus in sich hat. Binder hat einen Scherenschnitt des städtischen Wahrzeichens erstellt und dabei Linien des Malers Piet Mondrian entdeckt, an denen
er sich orientiert hat. Der Künstler hat im Folgeschritt das Grundgerüst des Rathauses auf eine 2 mal 3 Meter große Leinwand übertragen, die nun von den Heimbewohnern farblich gestaltet wird. „Mondrian verwendet die Grundfarben Rot, Gelb und Blau in seinen Werken. So wird Kunst für jeden zugänglich, da keine Farben gemischt werden müssen. In unserem Fall werden wir aber die Farbe Grün genauso verwenden, weil sie im Weidener Stadtwappen enthalten ist“, erklärt Binder. Die Stimmung ist gut beim Kunsttreff der Senioren. Gemeinsam geht es voran mit der Kulisse und damit mit dem neuen Projekt. „Das macht einen schon stolz und ist wirklich eine tolle Idee“, findet Bewohner Helmut Kraus. Auch Heinrich Rößler beobachtet die Arbeit seiner Mitbewohner gespannt: „Es ist sehr schön, bei den Arbeiten zuzusehen.“

Gemeinschaft im Vordergrund
Das findet Künstler Binder übrigens auch: „Es freut mich sehr, mit den Leuten im Heim zu arbeiten. Wenn die Kinder und Enkel der Heimbewohner zu Besuch kommen und die verschiedenen Kunstwerke ihrer Lieben sehen, dann sind sie
immer stolz, dass sie ein Teil davon sind.“ Ideengeberin Gerlinde Koch bestätigt stolz: „Das wird ein tolles Projekt.“ Dann denkt sie schon weiter: „Wir wünschen uns, dass wir damit viele begeistern können.“ Der erste Tratschpartner steht auch schon fest, wird aber noch nicht verraten.

Quelle: Der neue Tag 01.10.2021

 Posted by at 13:27

Schuld als großes Thema für Angehörige von Corona-Toten

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Okt 062021
 

Selbsthilfegruppe wird nach Erfahrungen bei ersten Treffen inhaltlich konkreter – Teilnehmer treibt die Frage nach (Mit)Schuld an der Infizierung um

Weiden. (mte) Nach den ersten Treffen der Selbsthilfegruppe für Angehörige von Corona-Toten in Weiden steht eines fest: Das Thema Schuld nagt an vielen. Deshalb wird nun das Hilfsangebot spezifiziert.

Der Ausbruch des Coronavirus kostete bislang allein Weiden 98 Menschen das Leben. 188 Tote im Zusammenhang mit Covid-19 gab es bislang im Landkreis Neustadt/ WN. Das sagt die Statistik des Robert-Koch-Instituts mit Stand Donnerstag, 16. September. Doch hinter jeder Zahl stecken Geschichten, ein Leben, Menschen und Angehörige, die mit diesem Verlust fertig werden müssen. Für sie etablierte die Evangelische Kirche Bayern in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfekontaktstelle (Seko) Nordoberpfalz, begleitet von der Diakonie Weiden kürzlich eine Selbsthilfegruppe für
Trauernde. Dabei kristallisierte sich nach den ersten Treffen von betroffenen Familienangehörigen ab August ein starkes Bedürfnis heraus, sich mit dem Thema „Schuld“ zu befassen. Etwa die Schuld, gegebenenfalls die Infizierung seines Angehörigen selbst (mit)verursacht zu haben.

Das wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Wie kann man damit fertig werden? Wie soll man damit leben? Erika Kleber, Altenpflegerin, Geronto- und Palliativfachkraft sowie Stationsleitung im Eleonore-Sindersberger-Altenheim in Weiden,
will Antworten geben. Sie kommt laut einer Mitteilung der Seko zu einem Vortrag ins Haus der Diakonie in der Sebastianstraße 18 in Weiden. Dabei werde sie auch auf die Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen
eingehen, heißt es.

Der Vortrag findet am Donnerstag, 30. September, um 18 Uhr statt. Betroffene interessierte Angehörige seien willkommen, müssen sich wegen der geltenden Hygienevorschriften aber vorab unter der Telefonnummer
0961/38931–63 (auch über den Anrufbeantworter) anmelden. Die Anmeldung ist auch möglich über E-Mail an Seko.nopf@diakonie-weiden.de. Bei Überschreitung der erlaubten Anzahl für den Raum gibt es am Donnerstag, 14.
Oktober, einen weiteren Termin.

Quelle: Der neue Tag 17.09.2021

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Weiden: Gründung Selbsthilfegruppe für Corona-Trauernde

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Jul 292021
 

In Weiden ist heute der Startschuss zum Aufbau eines Selbsthilfegruppennetzwerks für Corona-Trauernde in Bayern gegeben worden. Dem bayerischen Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm war dieses Netzwerk eine Herzensangelegenheit. Das Netzwerk sei sehr wichtig, weil diese Form der Trauerbewältigung für die Betroffenen auch eine Art innere Befreiung sei, so Bedford-Strohm.

Beim Pressegespräch in Weiden waren auch zwei Frauen dabei, die über ihre Erfahrungen nach dem Tod ihrer Angehörigen berichteten. Antonia Palmer hat Ende Januar dieses Jahres ihren Vater verloren. Sie habe sich beispielsweise die Fragen gestellt, woher das Virus gekommen sei und ob sie eventuell die Überträgerin des Virus gewesen sei.

Anita Schedel habe es im April vergangenen Jahres den Boden unter den Füßen weggezogen, als ihr Mann an Corona starb, erzählt sie. Er sei die Liebe ihres Lebens gewesen. Wörtlich sagte sie zu dem Selbsthilfegruppennetzwerk: „Betroffene helfen Betroffenen – ich bin überzeugt und weiß aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, sich mit Leidensgenossen austauschen zu können“.

Laut Ramona Kriegler von der Selbsthilfekontaktstelle Nordoberpfalz wird das erste Treffen bereits am 4. August um 18:30 Uhr abgehalten. Trauernde Angehörige können sich unter der Telefonnummer 0961 – 38 931 63 anmelden.

(tb)

Quelle: Weiden: Gründung Selbsthilfegruppe für Corona-Trauernde | Oberpfalz TV (otv.de)

Einen Beitrag von OTV finden Sie auch in der Mediathek unter Das Magazin vom 27.07.2021 | Oberpfalz TV (otv.de)

 Posted by at 11:25

In Weiden Start für Selbsthilfe-Netzwerk für Angehörige von Corona-Toten

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Jul 292021
 

1515 Oberpfälzer – So viele waren bis Dienstag am Coronavirus verstorben. Damit sie den Verlust besser bewältigen können, startet nun ein Selbsthilfenetzwerk für Angehörige von Corona-Opfern – in Weiden.

VonWiebke Elges

Weiden. Nicht nur weil die Oberpfalz lange Zeit Corona-Hotspot war, gibt es viel Bedarf für Trauerhilfe. Deshalb trifft sich am 4. August das erste Mal eine Corona-Trauergruppe in Weiden. Der bayerische Landesbischof und EKD Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, gab am Dienstag in einer Pressekonferenz den Startschuss für ein bayernweites Netzwerk von Selbsthilfegruppen.
„Die Situation trauernder Angehöriger geht mir seit Beginn der Pandemie sehr nahe“, sagte Bedford-Strohm beim Pressegespräch in Weiden. In Selbsthilfegruppen können sich Menschen mit ähnlichen Schicksalen austauschen. In
Kooperation mit der Selbsthilfekoordination Bayerns soll es für Corona-Trauernde künftig einen geschützten Raum geben.

Trauergruppe in Weiden
Immer wieder betont Bedford-Strohm in dem Gespräch die positive Energie, die durch das Angebot für Corona-Trauernde verbreitet wird. Es sei ein Zeichen der Hoffnung. „Das heute ist der Auftakt. Wir machen jetzt die Telefonnummer bekannt, damit Betroffene vielleicht den Mut finden, sich zu melden.“ Ziel sei später ein bayernweites
Netzwerk von Selbsthilfegruppen. Angehörige könnten bei einer zentralen Stelle eine Trauergruppe in ihrer Nähe erfragen oder Hilfe zur Gründung einer neuen Gruppe bekommen.
In Weiden findet der Austausch über die „Selbsthilfekoordination Bayern“ (SeKo) statt. „Selbsthilfe und Selbst-organisation im Sozial und Gesundheitsbereich zu stärken“ sei dabei das Ziel, erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin der SeKo, Irena Težak.
Die Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle Nordoberpfalz, Ramona Kriegler, sagt, dass die Treffen in Weiden anfänglich von der Diakonie begleitetet werden sollen. Der Landesbischof fügt hinzu, dass die Zusammenarbeit von Kirche und
SeKo in Weiden bereits beispielhaft funktioniere.

Austausch ist wichtig
Die Idee kam Bedford-Strohm laut eigener Aussage während der Gedenkfeier für die Opfer der Corona-Pandemie am 18. April, als er direkten Kontakt zu trauernden Angehörigen erlebte. Danach entschied der Landesbischof, die Gründung eines bayernweiten Selbsthilfe Netzwerkes zu unterstützen und Trauernden einen Raum zum Austausch zu
geben.
Dass Austausch wichtig ist, bestätigt auch Antonia Palmer. Die Jurastudentin verlor Anfang des Jahres ihren Vater an Covid-19. Daraufhin gründetet sie die erste Online-Selbsthilfegruppe in Deutschland. „Dadurch wollte ich den Verlust
realisieren und die Trauer irgendwie verarbeiten.“

Vorwürfen entgegentreten
Als besonders schlimm empfindet Palmer Corona-Leugner, die Trauernde beschimpfen und teilweise haltlose Argumente vorbringen. Auch beim Umgang hiermit kann die Gruppe helfen: gemeinsam Vorwürfen von Corona-Leugnern entgegenzutreten, sagt Palmer. Auch Anita Schedel empfindet den Austausch mit anderen Trauernden als
wichtig und hilfreich für die Bewältigung des Schmerzes. Sie hat ihren Mann an Corona verloren. Jetzt möchte Schedel anhand des „Weidener Modells“ auch eine Trauergruppe in München aufbauen.

Quelle: Der neue Tag Weiden Ausgabe vom 28.07.2021

 Posted by at 11:17